Sprachwissenschaft, auch Linguistik untersucht in verschiedenen Herangehensweisen die menschliche Sprache. Inhalt sprachwissenschaftlicher Forschung ist die Sprache als System, ihre einzelnen Bestandteile und Einheiten sowie deren Bedeutungen. Des Weiteren beschäftigt sich die Sprachwissenschaft mit Entstehung, Herkunft und geschichtlicher Entwicklung von Sprache, mit ihrem vielseitigen Gebrauch in der schriftlichen und mündlichen Kommunikation, mit dem Wahrnehmen, Erlernen und Artikulieren von Sprache sowie mit den möglicherweise damit einhergehenden Störungen.


Als großes Teilgebiet der Sprachwissenschaft untersucht die Allgemeine Sprachwissenschaft Aspekte, die mehrere Sprachen gemeinsam haben. Sie stellt die Methoden bereit, mit der beliebige Einzelsprachen beschrieben und auch miteinander verglichen werden können.

Sprachwissenschaft umfasst zahlreiche größere und kleinere Teilgebiete, die insgesamt sowohl inhaltlich als auch methodisch uneinheitlich sind und mit einer Vielzahl anderer Wissenschaften in Kontakt stehen. Beispielsweise behandeln die Medienlinguistik und die Politolinguistik den öffentlichen Sprachgebrauch, und die Psycholinguistik untersucht unter anderem den Spracherwerb. Hinsichtlich der Methodik haben in den letzten Jahrzehnten insbesondere die Korpuslinguistik und die Quantitative Linguistik an Bedeutung gewonnen.


Allgemeine Sprachwissenschaft   

Die Allgemeine Sprachwissenschaft, teils auch Theoretische Linguistik genannt, widmet sich der Untersuchung von Sprache als abstraktem System, aber auch der Aufstellung von allgemeinen Theorien über Sprache, wobei Letzteres auch von jüngeren Teildisziplinen der Angewandten Sprachwissenschaft, etwa der Soziolinguistik oder der Diskursanalyse, versucht wird.


Traditionelle Kerngebiete der Allgemeinen Sprachwissenschaft sind folgende:


Graphemik, die Untersuchung von Schrift als Sprachsystem

Lexikologie, die Lehre von den Strukturierungen im Wortschatz einer Sprache und dessen mentaler Repräsentation

Morphologie, die Lehre der „Wortbausteine“ und wandelbaren Wortformen (Flexionsformen, Wortbildung)

Phonetik, die Lehre von den Sprachlauten (Lautbestand von Sprachen, Artikulation, Lautwahrnehmung)

Phonologie, die Lehre von den Sprachlautsystemen der einzelnen Sprachen (Lautkombinationen, Silbenlehre), einschließlich der Intonation (Prosodie)

Pragmatik, die Untersuchung der (situationsabhängigen) Bedeutung von Äußerungen und von Handlungen mittels Sprache (Sprechakte, Konversation)

Semantik, die Untersuchung von Sinn und Bedeutung sprachlicher Einheiten (Wortbedeutung, Satzbedeutung)

Syntax, die Untersuchung von Form und Struktur von Sätzen

Seit neuerer Zeit können auch folgende Forschungsbereiche als eigenständige Teilgebiete gesehen werden:


Gesprächslinguistik, (auch Linguistische Gesprächsanalyse, Dialogforschung), Untersuchung authentischer mündlicher Kommunikation

Grammatiktheorie, Untersuchung der Struktur von Grammatik anhand formaler Modelle

Quantitative Linguistik, die Entwicklung von Sprachgesetzen auf der Grundlage statistischer Erhebungen mit dem Ziel, darauf aufbauend eine Sprachtheorie zu konzipieren

Textlinguistik, die Untersuchung der Struktur, Funktion und Wirkung von Texten und ihren Bestandteilen

Folgende Teilgebiete bewegen sich hauptsächlich im Grenzbereich zwischen anderen oder umfassen mehrere solche:


Morphonologie, untersucht Wortbildung auf phonologischer Ebene

Morphosyntax behandelt den Einfluss morphologischer Prozesse auf syntaktische Variablen

Sprachphilosophie, die Erforschung von allgemeinen Funktionen von Sprache und Sprachelementen und des Zusammenhangs zwischen Sprache, Denken, Vorstellung und Wirklichkeit

Angewandte Sprachwissenschaft    Sprachwissenschaft

Die Angewandte Sprachwissenschaft ist keineswegs als homogener Teilbereich der Linguistik zu verstehen, vielmehr subsumiert sie die Teildisziplinen, die sich in erster Linie nicht mit Sprache als abstraktem System befassen, sondern die Sprache im Zusammenhang mit ihrer „realen“ Umwelt sehen, sich also der tatsächlich angewendeten Sprache widmen. Diesem Verständnis von „angewandt“, also applied linguistics, steht die Idee der linguistics applied gegenüber, worunter die praktische Umsetzung linguistischer Forschungsergebnisse zu verstehen ist, wie sie vorliegt z. B. im Falle der Computerlinguistik (wo Erkenntnisse der Allgemeinen Linguistik in der Informatik Anwendung finden), der Klinischen Linguistik (wo Forschung im Dienste der Erarbeitung von Therapieformen steht), der Sprachlehrforschung (für die Entwicklung von Lehrmaterial) oder der Schreibforschung und Schreibdidaktik (für pädagogische Zwecke).


Des Weiteren werden häufig die Psycholinguistik, die Soziolinguistik und andere Fächer der Allgemeinen Sprachwissenschaft zugerechnet, weil sie sich der Beschreibung von Sprache als Teil des Individuums widmet und allgemeine Prinzipien und Vorgänge erkunden will – im Gegensatz zu jenen Disziplinen, die einen Bezug zum praktischen Leben herstellen und sich somit mit der „Anwendung“ von Sprache befassen.


Da die Soziolinguistik sowohl Sprache und Gesellschaft, als auch die Mehrsprachigkeit der Gesellschaft selbst untersucht, kann sie auch als Überbegriff für jene Teildisziplinen verwendet werden, die normalerweise als gleichwertig etablierte Bereiche der Angewandten Sprachwissenschaft gelten, z. B. für die Sprachlehrforschung oder die Diskursanalyse.


Vor allem aber entscheiden die Strukturen von Universitäten und Instituten darüber, wie die Disziplinen wahrgenommen werden, denn mehrheitlich behandeln die angewandten Fächer auch solche Aspekte mit, die gemäß Definition zur Allgemeinen Sprachwissenschaft gezählt werden.


Der Angewandten Sprachwissenschaft werden in der Regel folgende Teilgebiete zugerechnet:


Computerlinguistik unter den Aspekten

Künstliche Intelligenz

Spracherkennung und Prosodieerkennung mittels Computer

Softwareentwicklung (Sprachkorrekturprogramme, Lernsoftware und webbasierte Lernplattformen)

Texttechnologie und Gestaltung von Hypertext

Forensische Linguistik, Untersuchung und Diagnostik von Sprache zu kriminalistischen und gerichtlichen Zwecken

Internetlinguistik, Analyse sprachlicher Phänomene, die im und durch das Internet entstehen

Klinische Linguistik, die Erforschung des Sprachgebrauchs und der Sprachwahrnehmung bei Schädigungen des Gehirns und Erarbeitung von therapeutischen Verfahren inkl. Sprachentwicklungsdiagnostik; mit ihr stehen einige andere Fächer eng in Zusammenhang, die entweder zur Angewandten Sprachwissenschaft als applied linguistics oder auch zur Allgemeinen Sprachwissenschaft gerechnet werden. Dabei handelt es sich neben der Psycholinguistik im Besonderen auch um

Neurolinguistik, die Untersuchung der Verarbeitung von Sprache im Gehirn

Patholinguistik (auch Sprachpathologie), die Untersuchung von Problemen bei Sprachperzeption, -verarbeitung und -produktion

Lexikografie, Erstellen von Wörterbüchern (in erster Linie für den allgemeinen Gebrauch)

Sprach- und Schreibberatung, Beratung und Coaching für Institutionen, öffentliche Einrichtungen, Journalismus und Public Relations sowie für private Zwecke und Bereiche

Sprachlehr- und Sprachlernforschung und Sprachdidaktik, Untersuchung von, und Gestaltungsmaßnahmen für Sprachunterricht, Sprecherziehung, Alphabetisierung; inklusive anderer Teilgebiete wie Schreibdidaktik und Untersuchen von Lernverhalten

Sprachplanung, Untersuchung und Schaffung von politischen Rahmenbedingungen und sprachpolitischen Maßnahmen für Sprachstandardisierung oder Mehrsprachigkeit

Standardologie befasst sich mit der Standardisierung von Sprachen oder Teilsprachen (wie etwa mit dem Zusammenfassen mehreren Sprachvarietäten zu einer (nationalen) Standardsprache im Rahmen der Sprachpolitik oder mit der Vereinheitlichung von technischer und anderer Terminologie u. Ä.).

Folgende Teilgebiete verstehen sich als angewandte Fächer im Sinne einer applied linguistics und können auch zur Allgemeinen Sprachwissenschaft in einem weiteren Sinne gerechnet werden:


Computerlinguistik unter den Teilaspekten

Programmiersprachen

Mensch-Computer-Interaktion

Ethnolinguistik, Untersuchung von Sprache und Sprachkultur unter völkerkundlichen Aspekten

Psycholinguistik, die Erforschung der Sprache in Abhängigkeit von psychischen Funktionen, dabei besonders auch

die Forschung zum Spracherwerb (Erst- und Zweitspracherwerb)

Kognitive Linguistik, die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Sprache und Denken

Soziolinguistik beschäftigt sich „in engerem Sinne“ mit der Sprache in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Variablen wie soziale Schicht oder Alter. „In weiterem Sinne“ werden das Verhältnis von Sprache und Gesellschaft unter verschiedenen Aspekten sowie die Mehrsprachigkeit von Gesellschaft behandelt. Dazu zählen insbesondere folgende Teilgebiete:


linguistische Diskursanalyse untersucht Sprachäußerungen auf übertextlicher Ebene

Spracheinstellungsforschung, Untersuchung von Einstellungen (Meinungen, Haltungen) zu einzelnen Sprachen und/oder Dialekten

Interkulturelle Kommunikation, Untersuchung von sprachlichem und außersprachlichem Verhalten bei Kommunikation von Sprechern verschiedener Kulturen

Interlinguistik, die Untersuchung der internationalen Kommunikation vornehmlich unter Verwendung von Plansprachen

Medienlinguistik, Forschungen in erster Linie zur Untersuchung von sprachlichen Phänomenen in Medientexten, Mehrsprachigkeit in den Medien und zur Erfassung medialer Diskurse

Politolinguistik, Erforschung der Sprache und des Sprachverhaltens im politischen Sektor.